Die Bewohner des Freistaates Sachsen sind eigentlich gar keine Sachsen.
Was? Warum denn nicht?
Weil die "richtigen" Sachsen in Niedersachsen wohnen. Aber fangen
wir am Anfang an:
Der germanische Stamm der Sachsen (abgeleitet wahrscheinlich vom
einschneidigen Schwert, dem Sax) lebte im heutigen Holstein und
im Norden des jetzigen Bundeslandes Niedersachsen. Das jetzige Sachsen-Anhalt
gehörte zum Reich der Thüringer und der spätere Freistaat Sachsen war von
sorbischen Stämmen besiedelt.
Zu Beginn des 5. Jahrhunderts wanderte ein Teil der Sachsen,
gemeinsam mit Angeln und Jüten, nach Britannien aus. Daran
erinnern noch heute Landschaftsbezeichnungen wie Wessex
(Westsachsen), Sussex (Südsachsen) und Essex (Ostsachsen).
Gegen Ende des 8. Jahrhunderts wurden die Sachsen von den Franken
erobert und in das Reich Karls des Großen eingegliedert.
Nach dem Zerfall des Frankenreiches wurden die Sachsen wieder
selbständig und erstarkten. Das Herzogtum Sachsen stellte im
10. Jahrhundert die deutschen Könige und Kaiser und der
politische Mittelpunkt des Herzogtums wanderte in das
nördliche Harzvorland. Den staufischen deutschen
Königen war die Macht der Sachsen ein Dorn im Auge. Im 12.
Jh wurden die sächsischen Herzöge geächtet und
Sachsen wurde den brandenburgischen Askaniern übertragen.
Sachsen zersplitterte in der Folge in viele Einzelterritorien,
deren Großteil die Askanier (nunmehr Herzöge von
Sachsen) wieder verloren. Kernland der Askanier blieb das Gebiet
um Wittenberg, das nun "Sachsen-Wittenberg" genannt wurde. Eine
besondere Bedeutung bekam das Herzogtum "Sachsen-Wittenberg", als
damit die Kurwürde verbunden wurde (Goldene Bulle von 1356).
Fassen wir erst einmal zusammen: Die Sachsen wohnten weiterhin im
Gebiet des heutigen Niedersachsen, nur ein paar "Angelsachsen"
waren nach England ausgewandert. Das eigentlich
nichtsächsische Gebiet um Wittenberg hatte den Namenszusatz
"Sachsen-Wittenberg" bekommen.
Aber wer wohnte eigentlich im Gebiet um Dresden und Leipzig?
Immer noch die Sorben?
Nein, das Deutsche Reich hatte dieses Gebiet erobert und 965
durch Kaiser Otto I. die Mark Meißen gegründet. Die
neue Mark wurde hauptsächlich durch fränkische und
niederländische Bauern kolonisiert. Der Wettiner Heinrich I.
von Eilenburg wurde um 1100 vom König mit der Mark
Meißen belehnt. Für die Teilnahme an den
Hussitenkriegen erhielt der Wettiner Friedrich IV. der Streitbare
am 6.Januar 1423 vom König das Herzogtum Sachsen-Wittenberg,
da die Askanier ausgestorben waren. Die Wettiner gehörten
nun als "Kurfürsten von Sachsen" zu den mächtigsten
Fürsten Deutschlands, so daß man bald anfing, die Mark
Meißen und Sachsen als eine Einheit anzusehen.
Um Verwechslungen mit dem "richtigen" Sachsen
auszuschließen, wurden die an der Ober-Elbe liegende Mark
Meißen "Obersachsen" genannt, während das an der
Nieder-Elbe liegende Sachsen als "Nieder-Sachsen" bezeichnet
wurde. Die Bezeichnung Obersachsen setzte sich jedoch nicht
durch, sondern wandelte sich zu Sachsen.
Ergebnis: Die Sachsen heißen heute Niedersachsen und die
Meißner werden Sachsen genannt. Elbaufwärts gewandert
ist aber nur der Name. Die (Nieder-)sachsen sind in
(Nieder-)Sachsen geblieben.
Die "richtigen" Sachsen mögen mir verzeihen, wenn ich auf diesen Seiten von Sachsen spreche, aber eigentlich die Mark Meißen und deren Bewohner meine. Dieser Name hat sich nun einmal durchgesetzt, wenn es auch historisch gesehen nicht richtig ist.
Ach ja, zur Geschichte ... Schauen Sie doch einfach mal zu den Wettinern, bis 1918 haben sie die sächsische Geschichte wesentlich mitgestaltet.