Carl Gustav Carus
(* 03.01.1789 in Leipzig, † 28.07.1869 in Dresden)
Bereits mit 22 Jahren hielt der zweifache Doktor an der
Leipziger Universität Vorlesungen über vergleichende
Anatomie. 1814 wurde er als Professor für Geburtshilfe und
Leiter der Entbindungsklinik nach Dresden berufen, wo er 1815 die
Chirurgisch-Medizinische Akademie mitbegründete. 1827 wurde
er von König Anton zu seinem Leibarzt ernannt. Carus
gehört zu den Begründern der Tiefenpsychologie. Neben
seiner Tätigkeit als Arzt beschäftigte sich Carus mit
der Malerei. Seine Bilder werden bis heute hoch
geschätzt.
Aus der langen Liste seiner Veröffentlichungen seien hier
nur genannt: "Lehrbuch der Zootomie" (1818), "Lehrbuch der
Gynäkologie" (1820), "Grundzüge der vergleichenden
Anatomie und Physiologie" (1828), "Psyche. Zur
Entwicklungsgeschichte der Seele" (1846), "Neun Briefe über
Landschaftsmalerei" (1819-1831).
Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel
(* 17.10.1680 auf Gut Depenau/Holstein, † 31.03.1765 Burg Stolpen)
Die junge holsteinische Adlige sprach mehrere Sprachen, war bewandert in Mathematik
und antiker Geschichte, konnte Bier brauen, schießen und reiten, war eine selbständige
Geschäftsfrau und glänzende Ökonomin. Sie las Zeitung und analysiert genauestens
Europas politische Strömungen.
August der Starke begegnete ihr am
Dresdner Hof. Er war begeistert von der bildschönen, geistreichen und witzigen
Frau. Doch gab sie seinem Werben erst nach, als er ihr in einem heimlich
geschlossenen Ehevertrag neben einer enormen jährlichen Pension das Versprechen
gab, die Cosel nach dem Tode seiner Frau als Kurfürstin und Königin öffentlich
anzuerkennen und die mit ihr erzeugten Kinder als legitime Nachkommen zu behandeln.
Die Cosel wurde seine Mätresse und erhielt das Taschenbergpalais sowie
Pillnitz zum Geschenk. Die gebildete Frau führte bald ihren eigenen Hofstaat und
war bestrebt, ihre Einflusssphären in vielerlei Hinsicht ständig zu erweitern.
Sie war immer beim König und beteiligte sich an seinen politischen Reformen.
Mit politischer Weitsicht argumentiert die Cosel gegen Augusts Polenpolitik.
Doch hier hatte sie den Bogen überspannt. Der Sturz der Cosel wurde mit Macht
betrieben und man drängte sie, Dresden zu verlassen. Doch sie weigerte sich.
Als man den geheimen Ehevertrag von ihr zurückforderte, floh sie nach Berlin.
Am Dresdner Hofe witterte man Verrat von Staatsgeheimnissen. Sie wurde arretiert
und von Friedrich Wilhelm I. am 22.11.1716 im Austausch gegen preußische Deserteure an Sachsen ausgeliefert.
Nachdem sie neun Jahre die Geliebte des Königs war, wurde die Mutter seiner drei
Kinder, 33-jährig, vom Dresdner Königshof verbannt.
Ganze 49 Jahre verbrachte sie in Festungshaft auf der Burg Stolpen, ohne dass
sie jemals angeklagt oder verurteilt wurde. Selbst für Augusts Sohn und Nachfolger
war sie so gefährlich, dass sie bis zu ihrem Tode in Haft blieb.
Am 31. März 1765 starb sie 85-jährig auf Burg Stolpen.
Christian Friedrich Samuel Hahnemann (* 10.04. 1755 in Meißen, † 02.07. 1843
in Paris)
Der Begründer der Homöopathie begann 1775 in Leipzig ein Studium der Medizin.
Seinen Lebensunterhalt musste er mit Übersetzungen und als Privatlehrer selbst verdienen.
Praktische Erfahrungen sammelte er in Wien, Hermannstadt (Rumänien) und Erlangen, wo er 1779 zum Doktor der Medizin promoviert.
Nach weiteren Stationen in Mitteldeutschland kehrte er 1789 nach Leipzig zurück.
Seine Furcht, mit Arzneien den Zustand eines Kranken möglicherweise zu verschlimmern, führte zur Entwicklung der Homöopathie.
Hahnemann verdünnte die Arzneien mit Alkohol oder Zucker auf ein Tausendstel
der ursprünglichen Dosis und erzielte damit beachtliche Erfolge.
Dennoch war die neue Lehre - wie auch heute noch - stark umstritten. Vor allem die Apotheker befürchtete Umsatzeinbußen und hetzten gegen ihn.
In Köthen, wohin er 1821 umzog, schrieb er "Die chronischen Krankheiten, ihre
eigenthümliche Natur und homöopathische Heilung".
Daniel Gottlieb
Moritz Schreber (* 15.10.1808 in Leipzig, † 10.11.1861
in Leipzig)
Der Begründer der Kleingartenbewegung leitete ab 1844 eine
orthopädische Heilanstalt. Aufgrund seiner dort gemachten
Erfahrungen strebte er eine Reform der körperlichen
Erziehung und eine Einführung der Jugendgymnastik an. Sein
Buch "Ärztliche Zimmergymnastik" (1855) wurde 30 mal
aufgelegt. 1864 - drei Jahre nach seinem Tod wurde von
Männern und Frauen aus dem Bürgertum der
"Schreberverein" gegründet, um einen Kinderspielplatz zu
schaffen. Aus diesem entwickelte sich der erste Kleingartenverein
- heute gibt es tausende davon.
Karl
Stülpner (* 30.09.1762 in Scharfenstein, †
24.09.1841 in Scharfenstein)
Stülpner, schon früh ohne Vater, der in einer
Hungersnot starb, verdiente sein Brot durch Gelegenheitsarbeit
und Wilderei.
1780 wurde Stülpner Soldat. Als er beim Wildern ertappt
wurde, kam er nach Chemnitz in Haft. Er flüchtete aus dem
Gefängnis in die böhmischen Wälder.
Sein weiteres Leben war geprägt vom ständigen Wechsel.
Mal war er Soldat, dann wieder Wilderer. Er nahm am Krieg gegen
Frankreich teil, desertierte jedoch nach einer Verwundung und
wanderte seiner Heimat entgegen. Nach dem Krieg begann er wieder
zu wildern und wurde dafür von der Obrigkeit gesucht.
Nur durch die Unterstützung seiner zahlreichen
Anhänger konnte er immer wieder entwischen. Um den "Robin
Hood des Erzgebirges" ranken sich zahlreiche Legenden.
Johannes Tetzel
(* 1465 in Pirna, † 11. August 1519 in Leipzig)
"Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel
springt." Tetzel trat 1489 in das Dominikanerkloster St. Pauli
ein. Ab 1504 betrieb er Ablaßhandel: Den Gläubigen
wurde gegen Zahlung eines Geldbetrages die Vergebung ihrer
Sünden zugesagt. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war dies
streng geregelt gewesen, nur bestimmte Sünden konnten durch
Geld und keinesfalls ohne tätige Reue erlassen werden. Als
Rom jedoch immer mehr Geld für den Bau des Petersdomes
benötigte, wurden diese Regeln nach und nach gelockert;
schließlich konnte man auch Ablässe für
Verstorbene kaufen. 1517 hielt Tetzel sich in der Kirchenprovinz
Magdeburg auf, wohin prompt auch die Wittenberger Bürger
kamen, um sich statt durch echte Buße durch Geld von ihren
Sünden zu befreien.
Luther, Beichtvater vieler
Wittenberger, bemerkte dies mit Bitterkeit; die 95 Thesen, die er
als Reaktion darauf in Wittenberg anschlug, lösten die
Reformation aus. Kurz vor Tetzels Tod schickte Luther ihm einen
Trostbrief.